bookmark_borderStefan Weidner: 1001 Buch — Die Literaturen des Orients

Den Nahen Osten assoziiert man ebenso wie den Islam gegenwärtig fast nur noch mit Konflikt, Gewalt und Fundamentalismus. Die Medien sind voller Bilder, die uns den „Orient“, einst ein mythisch aufgeladener Begriff, in dem Märchenhaftes, Poetisches schwang, mehr denn je als anders und bedrohlich zeigen. Dabei hat der sogenannte Orient eine unendlich reiche und vielfältige Literaturtradition, die der Islamwissenschaftler und Übersetzer Stefan Weidner in seinem neuen Buch mit ansteckender Begeisterung in einem zwangsläufig selektiven, aber fundierten Überblick für uns westliche Leser zur Anschauung bringt.

Trotz Edward Saids Entlarvung des „Orients“ als westliche Projektion verwendet Weidner den Begriff für seine Literaturgeschichte; er geht aber von einem weiten, kulturell-ideellen Orientbegriff aus, der sich seiner kolonialistischen Geschichte bewusst ist. Für Weidner ist der Orient ein „polykultureller Imaginationsraum von beträchtlichem utopischen Potential“. Zu den Literaturen des Orients zählt er die islamisch geprägte Literatur — wohl wissend, dass ein über die Jahrhunderte hinweg immer wieder aufscheinendes Merkmal eben dieser Literatur ihre religionskritische Haltung war –, die sich gerade durch ihre Hybridität auszeichnet. Denn diese orientalische Literatur kennt nicht nur den Koran und Tausendundeine Nacht — bezeichnenderweise ist selbst dieser Text, der Inbgriff des Orientklischees, eine hybride, interkulturelle Erscheinung par excellence, mit indischen Wurzeln und in seiner gängigsten Version auf eine in den Orient rückübersetzte, stark erweiterte Form seines ersten westlichen Übersetzers Antoine Galland zurückgehend –, sondern trägt ebenso mystische Traditionen, zoroastrische, spätantike und hebräisch-jüdische Einflüsse in sich, umfasst das Persische, Arabische, Osmanische und viele weitere Sprachen bis hin zur teilweise in europäischen Sprachen geschriebenen Exilliteratur der Gegenwart. Der Austausch zwischen Orient und Okzident, ihre gegenseitige Prägung und die Kulturtransfers in beide Richtungen sind aus der Literaturgeschichte des Orients nicht wegzudenken.

Da es dem Autor vor allem darum geht, Leselust und Neugier auf ein hierzulande wenig bekanntes literarisches Terrain zu wecken, ist seine Literaturauswahl trotz des gleichzeitigen Anspruchs, einen repräsentativen Überblick zu schaffen, deutlich von seiner subjektiven Leseerfahrung geprägt — er legt uns besonders die Texte ans Herz, die uns als potentielle neue Leser orientalischer Literatur begeistern könnten –, sowie nicht zuletzt von dem, was überhaupt in deutscher Übersetzung verfügbar ist, und das ist nur ein Bruchteil des riesigen literarischen Schatzes, den der Orient bereithält. Doch horizonterweiternd ist die Lektüre von Weidners Buch allemal; wenn man es zuende gelesen hat, muss man sich zum einen fast zurückhalten, nicht gleich einen überdimensionalen Stapel spannender Orientlektüre in der Bibliothek zu bestellen, den man in der vorgesehenen Leihfrist niemals bewältigen könnte, und zum anderen wird einem auf sehr anschauliche, mit konkreten Beispielen unterfütterte Weise bewusst, dass sich Weltliteratur zu keiner Zeit auf den westlichen Kanon beschränken lässt.

Indem wir den verschiedenen Stimmen und Gegenstimmen lauschen, die aus den literarischen Texten des Orients zu ihren Lesern sprechen, sensibilisieren wir unser Verständnis auch für die Konflikte, die diese Region geprägt haben und prägen, für die Risse, die durch die Gesellschaften des Nahen Ostens gehen. Natürlich ist ein Eintauchen in diese Texte nicht immer ohne Hürden möglich und manche, gerade sprachliche, Dimensionen bleiben einem in der Übersetzung oft verschlossen; so ist das Hocharabisch des 7. Jahrhunderts noch heute der geltende Standard für literarische Texte, wenn sich die Autoren nicht bewusst für regionale Dialekte entscheiden, deren Klang in den Ohren arabischer Leser dann freilich eine ganz andere Sprengkraft hat. Doch Weidner liefert dankbarerweise jedesmal ausreichend Hintergrundwissen zu den beschriebenen Büchern mit und schildert literarische, aber auch historisch-gesellschaftliche und kulturelle Traditionslinien und Brüche, die sich in der Literatur widerspiegeln.

Vorgestellt werden die religiösen Texte, insbesondere der Koran und die Hadithe, die Aussprüche und Taten des Propheten Mohammed, und ihre inhaltlichen und stilistischen Besonderheiten, etwa die Abfassung in Reimprosa, die schriftlicher Fixierung widerstrebende Mündlichkeit und die kaum übersetzbare Vieldeutigkeit der heiligen Texte.

Den weitaus größeren Raum nimmt die vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit verfasste fiktionale Literatur ein, die erst im fortgeschrittenen 20. Jahrhundert Fahrt aufnehmende Moderne sowie die jüngsten, die arabischen Revolutionen der 2010er Jahre vorausahnenden oder sie verarbeitenden literarischen Texte. Die vorherrschende Erzählliteratur ist lange Zeit die sogenannte Adab-Literatur, gehobene Unterhaltungsprosa. Demgegenüber galten die bei uns so berühmten orientalischen Märchen aufgrund ihrer mündlichen, vorislamischen Ursprünge als weniger anspruchsvoll. Einen großen Einfluss hatten — und haben ihn bis heute — mystische Dichter wie Ibn Arabi, der in seinem Werk Übersetzer der Sehnsüchte mit der Mehrdeutigkeit des Wortes „Islam“ (dt. „Hingabe“) spielt und eine pantheistisch geprägte Verschmelzung von Erotik und Gottesliebe zum Ausdruck bringt; in Abgrenzung zu seinem dem Sufismus nahe stehenden und überaus beliebten und viel rezipierten Werk hat sich früh die fundamentalistische Strömung des Salafismus herausgebildet. In der Literatur des Mittelalters findet sich aber zum Beispiel auch ein Dichter wie al-Ma’arri, ein Skeptiker des mittelalterlichen Islams und womöglich Vorbild von Dante Alighieri, der 300 Jahre vor dem italienischen Dichter eine sehr humorvolle Jenseitsreise, Paradies und Hölle, verfasste. Das islamische Mittelalter brachte jedenfalls eine große Vielfalt an literarischen Texten hervor, von denen uns viele heute überraschend frech, freizügig und religionskritisch erscheinen. Hervorzuheben ist auch die im Vergleich zur europäischen Literaturgeschichte des Mittelalters bedeutende Zahl an Autorinnen. Eine spezielle Situation herrschte damals außerdem im islamischen Teil Andalusiens, wo hebräisch-jüdische, romanisch-christliche und arabisch-islamische Texte einander begegneten.

In der Neuzeit deutlich mehr rezipiert und übersetzt als die arabische wurde die persische Dichtung, von der Hafis‘ Diwan aus dem 14. Jahrhundert nur ein, wenngleich wohl das dank Goethe bei uns prominenteste Beispiel ist. Die Gedichte wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts von dem österreichischen Orientalisten Hammer-Purgstall recht frei, aber in poetischer Begeisterung übersetzt, von der sich viele Europäer, und nicht zuletzt Goethe, der in der Folge seinen eigenen West-östlichen Divan schrieb, anstecken ließen. Tatsächlich zeigt sich in der persischen Diwan-Dichtung, wie Stefan Weidner schreibt, ein universalisierbarer Islam, der auf einem inneren Gottesverständnis beruht und sein vielgestaltiges Erbe nicht leugnet, sondern stolz ist auf die hybriden Quellen, aus denen er schöpft — und der somit gerade heute ein wertvolles Gegenbild zur Intoleranz fundamentalistischer Religionsausübung ins Gedächtnis rufen kann:

Anders als Gotteskrieger, koranschwingende Demagogen und Selbstmordattentäter ist dieser geistige Islam in den Massenmedien natürlich nicht sichtbar. Wir brauchen dafür die Literatur und das Buch.

Stefan Weidner, 1001 Buch, S. 121

Die orientalische Moderne integrierte schließlich auch die Form des Prosaromans nach westlichem Vorbild in ihre Literaturen, es fanden Umbrüche in der Lyrik statt, die bezeichnenderweise v.a. im heute so zersplitterten Irak wichtige Vorreiter hatten, neue weibliche Stimmen kristallisierten sich heraus, die schreibend ihren Platz zwischen individueller Freiheit und kollektiven Traditionen auszuloten suchen. Überhaupt charakterisiert sich die Literatur des Orients bis heute durch eine literarische Verarbeitung von Gesellschaftskonflikten und bringt das Konkurrieren von Religion, Tradition und Moderne sehr vielschichtig und allzu oft mit — der düsteren Realität geschuldetem — gewaltsamem Ausgang zur Darstellung.

So gelingt Stefan Weidner in Form eines Sachbuches das, was der französische Schriftsteller und Orientalist Mathias Enard mit seinem grandiosen Roman Kompass in der Fiktion unternommen hat: uns den Orient als vielgestaltigen, komplexen, faszinierenden geistigen Raum näherzubringen, Klischees, wie etwa die „Blumigkeit“ oder „Unaufgeklärtheit“ der orientalischen Literatur, als solche zu entlarven und im Gegenteil ihre Vielfalt und unauflösbare Verwebung mit den kulturellen Räumen des Okzidents aufzuzeigen.

Bibliographische Angaben
Stefan Weidner: 1001 Buch — Die Literaturen des Orients, Edition CONVERSO (2019)
ISBN: 9783981976335

Bildquelle
Stefan Weidner, 1001 Buch — Die Literaturen des Orients
© 2019 Edition CONVERSO

bookmark_borderGilles Kepel: Chaos — Die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten verstehen

Seit Jahrzehnten ist der Nahe Osten als Konfliktherd in den Nachrichten, kein Land in dieser Region ist unversehrt von Gewalt, Bürgerkrieg, Militärschlägen, Attentaten, im Gegenteil, mit der Schreckensherrschaft des so genannten „Islamischen Staates“ zwischen 2014 und 2017 und dem immer noch auf unabsehbare Zeit andauernden und so viele verschiedene Akteure und wechselnde Koalitionen bindenden Syrienkrieg scheint die Lage verfahrener denn je. Und umso unübersichtlicher — wer verfolgt in diesem Krieg welche Interessen, wer rächt welche vergangenen Taten, ist die Türkei nun gegen den Diktator Assad oder bekämpft sie aus Angst vor dem kurdischen Separatismus die Rebellen? Und welche Rolle spielt eigentlich der Iran? Warum trauen sich Salafisten und Muslimbrüder nicht über den Weg, obwohl sie doch beide als sunnitisch-islamistische Bewegungen gelten, und was ist der Unterschied zwischen den dschihadistischen Zielen Al-Qaidas und dem verbrecherischen Konstrukt des „Islamischen Staats“?

Gilles Kepel, französischer Arabist und Politikwissenschaftler, versucht in seinem neuen Buch Chaos — Die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten verstehen Ordnung in diese wirklich äußerst komplexe Lage zu bringen, und das gelingt ihm ganz schön gut. Ich habe bei der Lektüre seiner über 400 Seiten starken Analyse jedenfalls ziemlich oft innerlich „Aha!“ gerufen und das Buch mit dem — angesichts der sehr beunruhigenden gesellschaftspolitischen Situation freilich getrübten — Gefühl intellektueller Befriedigung geschlossen, einige für das Verständnis des Nahen Ostens unabdingliche Erkenntnisse gewonnen zu haben.

Dass der Autor die Komplexität dieser Konflikte so gut durchdringen kann, liegt nicht zuletzt daran, dass er seit langem in intensivem Kontakt mit der Region steht. Gilles Kepel lernte den Nahen Osten in den 1970er Jahren kennen, u.a. als Stipendiat am Institut Français in Damaskus, und schloss weitere Forschungsaufenthalte an, die bis heute andauern. Seine Doktorarbeit, in der er lokale islamistische Bewegungen untersuchte, schrieb er in Ägypten. Seitdem hat er zahlreiche Reisen in den Nahen Osten und nach Nordafrika unternommen und führte viele Gespräche vor Ort, die auch in das aktuelle Buch mit einfließen. Er ist somit zugleich Augenzeuge und Wissenschaftler, und diese doppelte Perspektive wirkt sich sehr positiv auf die Tiefe und detailreiche Anschaulichkeit seiner Analyse aus. Sein fundiertes Wissen und die akribische Recherche stellt Kepel seinen Lesern in einem darüber hinaus auch sehr gut lesbaren Text zur Verfügung, indem er nämlich kulturelle, gesellschaftliche und historische Hintergründe in seine Argumentation integriert und wichtige Fakten oder Zusammenhänge auch auf die Gefahr der Wiederholung hin mehrfach in Erinnerung ruft, was meines Erachtens für jeden Leser, der kein absoluter Kenner des Nahen Ostens ist, sehr angebracht ist.

Dennoch erfordert die Lektüre Konzentration, was bei der Fülle der Akteure, der Länder und Regionen, der religiösen und politischen Strömungen, ihrer unterschiedlichen und konkurrierenden Antriebe und Ziele, nicht Wunder nimmt. Trotz der guten Gliederung des Stoffes, die es einem erleichtert, sich Zusammenhänge zu erschließen und einen Überblick zu erhalten, ist Chaos auf keinen Fall ein Buch, das man einfach so nebenbei konsumieren kann. Der Autor nimmt dem Leser das Denken — zum Glück — nicht ab, aber er erleichtert es einem, er bahnt uns gewissermaßen einen freilich steilen Weg in eine Region, in der wir sonst verloren wären.

Kepels Text ist eine ausgewogene Kombination aus detailreichem Nachzeichnen der zahlreichen einzelnen Konflikte und dem Aufzeigen großer Linien und Tendenzen. So leuchtet er die gesamte Region aus, die den Nahen Osten und Nordafrika umschließt, beschreibt den jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Hintergrund jedes einzelnen Landes und die Art und Weise, wie es in den großen Konflikt involviert ist. Dabei analysiert er aufs genaueste die verschiedenen religiösen Strömungen, porträtiert die einflussreichsten dschihadistischen Wortführer und ihre Ideologien ebenso wie politische Führungsfiguren, Parteien oder Bewegungen. Dieses horizontal-regional aufbereitete Material ergänzt er durch eine vertikal-chronologische Achse, auf der er einen Überblick über die zentralen Etappen und Entwicklungslinien in einem Zeitraum von fast einem halben Jahrhundert herstellt. So verfolgt er insbesondere die wachsende Islamisierung der Politik im Nahen Osten und hebt die Bedeutung der iranischen Revolution hervor: 1979, der Beginn der Islamischen Republik, ist für ihn ein Schlüsseljahr, da von nun an der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten die regionalen Konflikte antreibt und verschärft; der religiös stigmatisierte Feind ist nicht mehr (nur) Israel, sondern auch die Anhänger der Schia (und umgekehrt), bevor auch der Westen zum ideologisch-religiös aufgeladenen Feindbild wird. Sehr anschaulich und nachvollziehbar beschreibt Kepel vor diesem Hintergrund auch die drei Phasen des Dschihadismus, der in der ersten Phase, als Spielfigur im Kalten Krieg, von den USA instrumentalisiert und angeheizt wurde, in der zweiten Phase mit Al-Qaida eine hierarchische Terrorstruktur errichten konnte, mit welcher der Konflikt sichtbar und spürbar auch in den Westen übertragen wurde, und in der dritten Phase schließlich, die im so genannten „Islamischen Staat“ kulminierte, die hierarchischen Strukturen durch ein System internationaler und virtueller Vernetzung ersetzte, das mittels ungebundener, lokaler Einzeltäter überall auf der Welt und längst auch in Europa den islamistischen Terror explodieren lässt.

Einen großen Raum in Kepels Text nimmt weiterhin seine Analyse der unterschiedlichen Ausprägungen und der gravierenden Folgen des „Arabischen Frühlings“ ein, den er als Euphemismus bezeichnet, da sich außer in Tunesien die Hoffnung auf eine Demokratisierung der Region nicht erfüllt hat. Schließlich richtet der Autor einen besonderen Fokus auf den noch andauernden Krieg in Syrien, für ihn ein Kernkonflikt, an dessen Ausgang sich die Weichen für die Zukunft der Region stellen werden.

Kepel macht keinen Hehl aus seinem Misstrauen in den politischen Islam, den er für das zentrale Problem der Dauerkonflikte im Nahen Osten hält. Deshalb legt er in seinem Text immer wieder den Finger in die Wunde und hebt die religiös motivierten Zwiste und Aufspaltungen sowie die gefährliche Konstruktion religiöser Feindbilder hervor, die auch alle politischen und gesellschaftlichen Konflikte ideologisch aufladen und in Verbindung mit geopolitischen Machtkämpfen ein besonders explosives Potential haben. Gleichwohl durchdringt der Autor ebenso die eine eigene Dynamik auslösende Verwicklung weltpolitischer Akteure in den Konflikt sowie die strukturellen und historischen Ursachen. Der zweite Unruhestifter neben der Religion ist für Kepel das Öl, mit dem sich nicht nur autoritäre Regime und lokale Eliten auf Kosten einer verarmenden, unter hoher Jugendarbeitslosigkeit leidenden Bevölkerung bereichert haben, sondern das im Laufe der Geschichte auch oftmals zu wirtschaftlich motivierten internationalen Eingriffen oder eben Nicht-Eingriffen geführt hat. Dass der Nahostkonflikt durch die sich überkreuzenden Interessen der internationalen Akteure stark beeinflusst wird, ist Gilles Kepel absolut bewusst. Immer wieder verfolgen diese ihre eigenen (sicherheitspolitischen oder wirtschaftlichen) Interessen in der Region, wie es der von russischer und amerikanischer Seite angetriebene Kampf um Afghanistan im Kalten Krieg ebenso veranschaulicht wie die Anti-Terror-Ideologie der hart intervenierenden amerikanischen Neokonservativen nach dem 11. September. Auch im gegenwärtigen Syrienkonflikt treten die Rivalitäten verschiedenster Akteure zutage, die zum Teil egoistisch, zum Teil zögerlich und ungeschickt taktieren, was die Unübersichtlichkeit der Situation weiter verschärft.

Aus dem Text geht auch hervor, wie verhängnisvoll schlechte Diplomatie sein kann und wie essentiell das Durchschauen der unterschiedlichen Motive für eine Beruhigung des Chaos sein wird. Kepel sieht die Region als eine große Herausforderung für Europa und macht mehr als deutlich, dass wir in diesen Konflikt — durch die Terroranschläge, die massenhafte Flucht, die wirtschaftlichen Vernetzungen — längst zu sehr verwickelt sind, um keine Verantwortung zu übernehmen.

Bibliographische Angaben
Gilles Kepel: Chaos — Die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten verstehen, Kunstmann (2019)
Aus dem Französischen von Enrico Heinemann und Jörn Pinnow, Originaltitel: Sortir du chaos — Les crises en Méditerranée et au Moyen-Orient, Gallimard (2018)
ISBN: 9783956143205

Bildquelle
Gilles Kepel, Chaos — Die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten verstehen
© 2019 Verlag Antje Kunstmann GmbH