bookmark_borderGerlis Zillgens: Anna und Anto — Plötzlich anders

Die Zwillinge Anna und Anto finden sich plötzlich im Körper des jeweils anderen wieder, wovon vor allem Anto zunächst alles andere als begeistert ist. Anna freut sich zwar, ihrem heimlichen Schwarm Maxim, dem besten Freund ihres Bruders, nun so nahe zu kommen, wie ihr das als Mädchen zuvor nicht möglich war, doch auch sie kommt im Körper ihres Bruders in zahlreiche peinliche oder verwirrende Situationen. Und sie vermisst die Gespräche mit ihrer besten Freundin Mia. Die Eltern wundern sich, warum ihre Tochter auf einmal wieder Fleisch isst und dafür nun der Sohn zum Vegetarier geworden ist, schieben das zunehmend merkwürdige Verhalten ihrer Kinder jedoch nachsichtig auf die Phase der Pubertät.

So bringt einen die Autorin immer wieder zum Schmunzeln und stellt eindeutige Geschlechterrollen auf amüsante, aber doch auch intelligente und nachdenklich stimmende Weise in Frage — etwa wenn sie die irritierten und verlegenen Reaktionen der Erwachsenen beschreibt, als Maxim und Anna alias Anto zusammen mit ihrem Schulprojekt-Baby im Kinderwagen unterwegs sind und Anna selbstbewusst verkündet, ein Mädchen im Körper eines Jungen zu sein.

Zillgens Mittel der Aufklärung und der Ermunterung zu mehr Toleranz ist der Humor, nicht der erhobene Zeigefinger, und das gelingt ihr ganz wunderbar.

Ab 11 Jahren

Altersempfehlung
Ab 11 Jahren

Bibliographische Angaben
Gerlis Zillgens: Anna und Anto — Plötzlich anders, Planet!/Thienemann-Esslinger Verlag (2020)
ISBN: 9783522506656

Bildquelle
Gerlis Zillgens, Anna und Anto — Plötzlich anders
© 2020 Thienemann-Esslinger Verlag

bookmark_borderKatya Balen: Mein Bruder und ich und das ganze Universum

Das auch erwachsenen Lesern unbedingt ans Herz zu legende Kinderbuch, mit dem Elfjährige fast noch ein wenig überfordert sein könnten, handelt von einer nicht einfachen Geschwisterbeziehung, unheimlich authentisch erzählt aus der Perspektive des einfühlsamen und sensiblen 10jährigen Frank, der die Liebe zu seinem kleinen Bruder Max, einem Autisten, zugleich als große Herausforderung und immer wieder auch als Zumutung empfindet. Denn manchmal möchte er einfach nur selbst ein kleiner Junge sein, der die Kindheit genießt, mit seinen Freunden Fußball spielt, in der Wildnis imaginäre Abenteuer erlebt, an Geheimcodes tüftelt und sich kreative Rückzugsorte schafft.

Behinderung, Krankheit, Tod, die Autorin mutet Frank und den jungen Lesern wahrlich Existentielles zu, und schreibt doch auf eine bewundernswert leichte und leicht machende Weise. So gelingt es ihr wunderbar, uns vorzuführen, wie sehr das Leben, die Welt, die Sterne, das Universum, und darin vor allem das menschliche Miteinander, ein Quell von Schönheit und Liebe sind.

Altersempfehlung
Laut Verlag ab 11 Jahren, persönlich empfohlen eher erst ab 12+

Bibliographische Angaben
Katya Balen: Mein Bruder und ich und das ganze Universum, CARLSEN (2019)
Aus dem Englischen von Annette von der Weppen
ISBN: 9783551557612

Bildquelle
Katya Balen, Mein Bruder und ich und das ganze Universum
© 2019 CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg