Klüpfel/Kobr: Funkenmord

Juhu, ein neuer „Kluftinger“ zum Mitfiebern und Mitkichern! Ich gestehe — obwohl es sich strenggenommen um einen so genannten Regionalkrimi handelt — dass ich dem schrullig-sympathischen Allgäuer Kommissar und vor allem auch dem Humor seiner beiden Erfinder schon seit langem hoffnungslos verfallen bin.

Dem Allgäuer Autorenduo ist hier aber auch wirklich eine köstliche Fortsetzung des letzten Kluftinger-Falls gelungen, in dem ja noch einiges ungelöst und offen war. Wer hat den Kommissar im Wald bedroht und seine Waffe gestohlen? Und wer hat damals, vor vielen vielen Jahren, als Kluftinger ganz frisch im Polizeidienst war, die junge, attraktive Lehrerin am so genannten Funkensonntag tatsächlich getötet und im Funkenfeuer verbrannt, wenn es der, dem der junge Kluftinger übereifrig ein Geständnis entrang, nun doch nicht gewesen sein kann?

Im neuesten Teil der Kluftinger-Reihe wird ein alter Fall wieder aufgerollt, ein „cold case“, und das ist nicht der einzige neumodische Begriff, über den der Kommissar in diesem Roman stolpert, in dem wie erhofft viele weitere Fettnäpfchen auf ihn warten. Doch wie erhofft werden auch nicht alle Probleme und Krisen einfach so weggelacht. Seit Kluftinger im Zuge des letzten Falls unmittelbar bedroht und der allseits geschätzte Kollege Strobl getötet wurde, liegen die Nerven nicht nur bei Kluftingers zuhause blank, sondern auch bei seinem Team, das den Schock noch nicht richtig verarbeitet hat.

Es gibt aber auch frischen Wind in Kluftingers Abteilung, und zwar in Gestalt einer neuen, jungen Kollegin, die zum anfänglichen Entsetzen des dezimierten männlichen Teams alles andere als damenhaft und unterwürfig auftritt und mit ihrer Aufrichtigkeit und Kompetenz den Kollegen so manches Vorurteil auszutreiben versteht. So entstehen natürlich einige äußerst komische Szenen, mit denen die Autoren einen humorvollen und intelligenten Blick auf das gerade viel diskutierte Thema von Gender- und Gleichstellungsfragen werfen. In diesem Kontext lässt sich auch der Fall verorten, in dem Kluftinger und seine Kollegen ermitteln und in dem es, diesmal durchaus ernsthaft, um von Vorurteilen geprägte Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit geht.

Genau das mag ich auch so gerne an dieser Krimireihe, die sich von den meisten anderen „Regionalkrimis“ im Niveau deutlich abhebt: die gute Balance zwischen charmant-witziger Unterhaltung und gesellschaftlich und psychologisch überzeugend recherchiertem Fall, sowie zwischen komischer Distanzierung und Empathie erzeugender Einfühlung in die Charaktere.

So darf man sich auch diesmal wieder auf ein spannendes Krimierlebnis freuen, wobei die Spannung sowohl durch den stimmigen Krimiplot als ganz besonders auch durch die von den beiden Autoren geschickt angewendete Methode einer retardierenden Komik erzeugt wird, also einer Komik, die mit der auf Andeutungen und erst später ausgefüllten Leerstellen basierenden Technik des „suspense“ arbeitet.

Bei mir ist jedenfalls auch diesmal der Funke sofort übergesprungen, und wer Krimis vorzieht, die man abends lesen kann, ohne danach in panische Alpträume zu verfallen, der kann sich mit Klüpfels und Kobrs Funkenmord bestens unterhalten lassen.

Volker Klüpfel und Michael Kobr: Funkenmord (= Band 11 der Kluftinger-Reihe), Ullstein 2020
ISBN: 9783550081804

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