Philippe Lançon: Der Fetzen

Philippe Lançon hat das Attentat auf Charlie Hebdo mit einer schweren Verletzung überlebt. Dieses Überleben macht er zum Thema seiner Aufzeichnungen, deren bisweilen schockierende Offenheit dem Leser sehr nahe geht. Er schildert auf nachdenkliche und sehr feinsinnige Weise die zahlreichen Herausforderungen, vor die ihn die Wiedereingliederung in das „normale“ Leben stellt. Hilfe findet er bei Kafka und Proust, aber auch durch die vielen neuen Bande, die er mit Chirurgen und Personenschützern knüpft. Innen und außen spiegeln sich dabei, sein Gesicht besteht aus ebensolchen Fetzen wie sein neues Leben, das gewaltsam vom alten getrennt wurde. 

Philippe Lançon: Der Fetzen, Tropen (2019)
Aus dem Französischen von Nicola Denis, Originaltitel: Le lambeau (Gallimard)
ISBN 9783608504231

Kommentare

  1. Hallo Lisa,
    diese kurze Rezension deckt sich mit meinen Beobachtungen zu Philippe Lançons „Der Fetzen“. Mir hat das Buch über das Überleben und Weiterleben nach dem Attentat auf Charlie Hebdo gut gefallen, auch wenn es manchmal sehr in medizinische Details ging. Mich hat seine ständige Lektüre von Proust dazu gebracht, nun endlich auch die Proust-Bände in Angriff zu nehmen, die schon einige Zeit bei mir im Bücherregal standen.
    Viele Grüße

    1. Lieber Florian,
      danke für deinen netten Kommentar – zu einem eindringlichen und sehr authentischen Buch, das seine Leser schon ein bisschen herausfordert, das stimmt. Mir ist es mit seinen Ausführungen zu Proust übrigens ganz ähnlich gegangen: Sofort habe ich die teils schon mehrfach, teils aber auch noch ungelesenen Recherche-Bände, die ich als kleinen Schatz aus meinem Studienjahr in Frankreich zurückgebracht habe, wieder aus dem Regal gezogen… Es gibt einfach kaum Begeisternderes als davon zu lesen, wie jemand begeistert etwas liest. 🙂 Was ich zum Anlass nehme, hier auf deine schönen Eindrücke des ersten Teils zu verweisen: Auf dem Weg zu Swann – Rezension Promenades littéraires
      Schöne Grüße
      Lisa

      1. Hallo Lisa,
        erst jetzt habe ich deine Antwort auf meinen Kommentar entdeckt, als ich wieder auf dein Blog gefunden habe. Wie schön, dass du auch ein Jahr on the Frankreich studiert hast. Ich war ein Jahr lang in Paris, wo ich an der Sorbonne studierte und in der Cité universitaire internationale im Süden der Stadt ein Zimmer hatte. Es werden, sobald ich ein paar aktuelle Bücher abgearbeitet habe, noch weitere Beiträge zur Recherche folgen…
        Danke dir für die Verlinkung. Ich habe dein Blog bereits vor einiger Zeit in meine Blogroll aufgenommen.
        Viele Grüße und eine schöne Restwoche
        Florian

        1. Lieber Florian,

          an der Sorbonne, wie schön, dann durftest du ja sozusagen ins Herz des intellektuellen Frankreich eintauchen! 🙂

          In Lyon habe ich vor allem die vielen kleineren und größeren Theater aufgesucht und einiges Spannende dort entdecken dürfen. Aus einer Aufführung von Wajdi Mouawads „Ciels“ ist letztlich auch der Anstoß zum Thema meiner Doktorarbeit geworden, das hatte mich ganz schön beeindruckt damals.

          Auf die Fortsetzung deiner Recherchen zur Recherche bin ich schon gespannt, und gespannt wäre ich auch, was du zur Buchpreisträgerin Anne Weber und ihrem Heldinnenepos sagst? Ich habe mich ja sehr über ihre Auszeichnung gefreut…

          Viele Grüße und eine gute Zeit erfüllender Lektüren
          Lisa

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